Kulturgeschichte

Erste menschliche Besiedelung

Ab etwa 8000 v. Chr., am Ende der letzten Eiszeit, bildeten sich günstigere Lebensbedingungen für eine menschliche Besiedelung Nordeuropas heraus. Die ersten Bewohner der Flämingregion lebten an den Niederungsrändern. Sie haben Spuren hinterlassen, die als archäologische Funde zu Tage treten. Zu den ältesten gehören die bei Cammer gefundenen Pfeil- und Speerspitzen sowie Klingen aus Feuerstein, die etwa 5000 Jahre alt sind. In der Jungsteinzeit (4000 – 1700 v. Chr.) begannen die Menschen, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Durch Menschenhand veränderte sich das Landschaftsbild.

Eine erste flächendeckende Besiedelung wurde in der Bronzezeit (1700 - 700 v. Chr.) erreicht. Im Fläming lebte der germanische Stamm der Semnonen. Bronzezeitliche Hügelgräber im Naturpark (z. B. bei Neuendorf, Lüsse und Bad Belzig) zeugen noch heute vom Totenkult der einstigen Bewohner.

Die Zeit der Germanen und Slawen

Ausgelöst durch Vorstöße der Hunnen im Osten begannen Ende des 4. Jh. in Europa nahezu alle Völker zu wandern, um neues Land in Besitz zu nehmen. Auch die damaligen Bewohner des Flämings schlossen sich zum überwiegenden Teil den Wanderungen nach Süden und Westen an.

Während des 7. Jh. besiedelten slawische Stämme aus dem Osten und Südosten die weitgehend verlassenen Gebiete vorrangig in Gewässernähe: an den Niederungsrändern und an den wenigen Wasserläufen auf der Fläminghochfläche. Das Territorium gehörte zum Stammesgebiet der Sorben. Ab dem 10. Jh. wurden kreisförmige Burgwälle in Holz-Erde-Bauweise errichtet. Überreste davon sind noch heute erkennbar, z. B. in Buckau, Görzke und Mörz.

Der deutsche König Heinrich I. schlug im Jahr 929 bei Lenzen an der Elbe die Heere der Slawen vernichtend. Das slawische Land wurde dem Deutschen Reich angegliedert und man begann mit der Christianisierung der Slawen. Kaiser Otto I. gründete zu diesem Zweck 948 das Bistum Brandenburg. Ein vorläufiges Ende fand die deutsche Herrschaft in den meisten Landesteilen mit dem Slawenaufstand 983.

Besiedelung durch deutsche Kolonisten

Der Slawenaufstand von 983 war der Beginn einer 150 Jahre währenden Zeit kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Slawen und Deutschen. Endgültig in deutschen Besitz gelangte die Flämingregion um Bad Belzig ab 1140. Ein edelfreies Adelsgeschlecht, welches den Grafentitel führte, okkupierte die Gegend und baute die Burg Belzig zum Herrschaftszentrum aus. Albrecht der Bär, seit 1134 Markgraf der Nordmark, zu der auch der Fläming gehörte, nahm die slawische Brandenburg 1150 in Besitz. 1161 gründet der Brandenburger Bischof sein Domkapitel.

Ein groß angelegter Landesausbau begann auf Veranlassung des Brandenburger Markgrafen, des Magdeburger Erzbischofs, des Brandenburger Bischofs und der Herren von Belzig. Weil das Gebiet dünn besiedelt war, entsandten die neuen Landesherren sogenannte Lokatoren, um Bauern und Handwerker aus dem Westen anzuwerben. Sturmfluten an der flandrischen Küste hatten um 1100 den Bewohnern Besitz und Land geraubt. Es erging der Ruf: „Kommt her, ihr Franken und Flamländer, hier könnt ihr herrliches Wohnland erlangen!“ Mit ihren Siedlungen wurden weite Landstriche erschlossen. Viele Dorf- und Stadtgründungen sowie die Bezeichnung „Fläming“ sind auf jene Zeit zurückzuführen.

Feldsteinkirchen im Fläming

Die Kolonisten und Siedler, christliche Bauern und Handwerker, brachten der Region wirtschaftlichen Aufschwung. Sie lebten mit den slawischen Einwohnern zusammen; ihre Kulturen verschmolzen.

Im 12. und 13. Jh. kam es mit den Siedlungsgründungen zum Bau von Kirchen. Handwerks- und Bautraditionen aus Flandern, Holland und Nordwestdeutschland hielten im Fläming Einzug. Während die Wohnhäuser weiterhin aus heimischem Material (Lehm, Holz, Stroh) gebaut wurden, ersetzte man die frühen hölzernen Kirchen bald durch steinerne. Der Baustoff lag auf den Äckern: Feldsteine, die während der Eiszeit von Skandinavien nach Norddeutschland gelangten.

Die rechteckige Saalkirche als einfachste Form, aber auch um Chorraum, Apsis und Turm erweiterte Gotteshäuser sind zu finden. Ihre Größe war von der Größe des Ortes bzw. der geplanten Siedlungsentwicklung abhängig.

Fünf Jahrhunderte in kursächsischem Besitz

Neben der Belziger Herrschaft etablierte sich im benachbarten Wiesenburg die Zerbster Herrschaft. Beide verloren ihre Eigenständigkeit im 13. Jh.: Wiesenburg wechselte in den Besitz des Erzbistums Magdeburg. Mit dem Erlöschen des Belziger Grafengeschlechts um 1250 fiel das Territorium an die Herzöge von Sachsen-Wittenberg, welche 1422 ausstarben. Ihr Land ging als Lehen an die Kurfürsten von Sachsen. So gelangte das Gebiet um Bad Belzig an jene neuen Landesherren – es begann eine über 500 Jahre währende Zugehörigkeit zu Kursachsen. Mit dem benachbarten Brandenburg wurden 1425 die Hohenzollern belehnt.

Als Grenzregion großer Fürstentümer gewann das Gebiet des Hohen Flämings neue Bedeutung. Die Errichtung der kursächsischen Festung „Burg Eisenhardt“ ist Ausdruck der geänderten politischen und ökonomischen Verhältnisse. Die Grenze zwischen Brandenburg und Kursachsen verlief etwa entlang der Nord- und Ostgrenze des heutigen Naturparks. Hier kann man heute noch Grenzsteine finden. Sie sind etwa 400 Jahre alt und markieren eine der ältesten in Mitteleuropa noch deutlich erkennbaren Staatsgrenzen.

Reformation und 30-jähriger Krieg

Am 31. Oktober 1517 kam es im nahen Wittenberg zu einem Ereignis von europäischer Bedeutung: Luther schlug 95 Thesen gegen das Ablasswesen an das Tor der Schlosskirche und leitete so die Reformation ein. Als einer der ersten deutschen Fürsten führte der sächsische Kurfürst die neue Kirchenordnung ein, sodass auch die Bewohner des Flämings evangelisch wurden. Die Kirchen erhielten ihre bis heute charakteristische Schlichtheit. Bei einer der nun regelmäßig durchgeführten Kirchenvisitationen predigte Luther in der Belziger Marienkirche.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts führte der Dreißigjährige Krieg auch im Fläming zu starken Verwüstungen. Im Jahr 1636 zerstörten schwedische Soldaten neben vielen anderen Orten auch Belzig. Die Bevölkerung im Fläming nahm spürbar ab und viele Orte wurden aufgegeben. Nach dem Ende des Krieges begann der Wiederaufbau nur zögernd. Die Landesfürsten förderten die Neugründung von Siedlungen durch Kolonisten.

Seit 1722 wurden in Sachsen auf Befehl des sächsischen Kurfürsten August des Starken Distanzsäulen aufgestellt. Die Entfernungsangaben erfolgten in Stunden. (1 Stunde = 0,5 Meilen = 4,531 Kilometer). Heute sind noch in Bad Belzig, Brück und Niemegk Postmeilensäulen zu sehen.

Befreiungskriege und Gründerzeit

1806 wurde eine preußisch-sächsische Armee bei Jena und Auerstädt vernichtend von Napoleons Truppen geschlagen. Damit begann auch für den Fläming eine Zeit unter französischer Vorherrschaft. Nach Napoleons gescheitertem Feldzug gegen Russland entflammte 1813 der Widerstand in Europa gegen die Franzosen: die Befreiungskriege begannen. Eine der wichtigen Schlachten vor der entscheidenden Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 war das Gefecht bei Hagelberg, das am 27. August 1813 stattfand. Preußische und russische Truppen kämpften gegen ein napoleonisches Korps und konnten es schlagen.

Das sächsische Amt Belzig wurde 1815 auf dem Wiener Kongress Preußen zugeordnet. Belzig wurde Kreisstadt des 1816 gegründeten Kreises Zauch-Belzig.

Die Jahrzehnte um die Wende vom 19. zum 20. Jh. brachten wirtschaftlichen Aufschwung. Prägend für die Region war der Bau der Berlin-Wetzlarer Bahn. Der Bau des Elektrizitätswerkes 1908/09, der Post 1896, des Krankenhauses 1902, des Kreishauses 1893/94 und der Lungenheilstätte 1900 zeugen von einer sprunghaften Entwicklung in der Kreisstadt.

Wirtschaftskrise – Weltkrieg – Wendezeit: Das 20. Jahrhundert

Die Wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre führte auch im Fläming zu hoher Arbeitslosigkeit. So folgten viele Menschen den Nationalsozialisten, als diese mit dem Bau der Autobahn Berlin-München sowie mit Rüstungsbetrieben in Treuenbrietzen und Wittenberg Arbeitsplätze schufen.

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, der Reichspogromnacht, wurden auch in Belzig jüdische Geschäfte demoliert.
1934 wurde nahe Belzig der Roederhof gebaut, eine Fabrik zur Produktion von Gewehrmunition. 1942 richtete man dort ein Lager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter ein, die in der Munitionsfabrik arbeiten mussten. 1943 kam ein Außenlager des Frauen-KZ Ravensbrück hinzu.

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges wurde die Region zum Kriegsschauplatz. Besonnene Einwohner Belzigs übergaben die Stadt kampflos und bewahrten sie so vor der Zerstörung.

In den Jahren der DDR prägte die Großraumlandwirtschaft zunehmend die Fläming-Landschaft.
In den 80er Jahren wurden Umweltprobleme auch im Fläming immer offensichtlicher. 1989 stießen Pläne, in Hohenwerbig ein Großwasserwerk zur Versorgung von Potsdam zu bauen, auf breite Ablehnung. In der Wendezeit wurde ein Runder Tisch gebildet, der unter anderem die Unterbindung des Abbaus des Flämingwassers für für die Stadt Potsdam beschloss.

Vier-Burgen-Land: Eisenhardt – Rabenstein – Wiesenburg – Ziesar

Von den vier Burgen in der Region gehen Bad Belzig, Wiesenburg und Ziesar auf slawische Wehranlagen zurück. Nach der deutschen Inbesitznahme wurden sie von den neuen Landesherren ausgebaut und etwa ab 1200 durch Steinburgen ersetzt. Die 1251 erstmals erwähnte Burg Rabenstein wurde als Grenzburg der Belziger Herrschaft an der einst bedeutenden Straße nach Wittenberg in dieser Zeit neu errichtet.
Besitz und Nutzung waren unterschiedlich. Das führte zu den vielfältigen Überformungen der mittelalterlichen Wehranlagen. Im Kern als romanische Burgen erhalten, wurden sie nahezu in jedem Jahrhundert den unterschiedlichen Bedürfnissen an Verteidigung und Repräsentation angepasst.
Während sich der Rabenstein noch weitgehend in seiner mittelalterlichen Struktur zeigt, sind in Bad Belzig die mittelalterlichen Reste mit Ausnahme des Bergfrieds als Ausgrabungsstätte zu besichtigen. Wiesenburg ist mit dem Bergfried im Kern mittelalterlich erhalten, wurde jedoch in der Renaissance und im Barock vielfach verändert. Heute gibt sich die Anlage im Stil der Neo-Renaissance des 19. Jh. zu erkennen. Ähnlich ist die Burg Ziesar mit ihrer bedeutenden Kapelle und dem umgebauten mittelalterlichen Palas zu betrachten.

Orte entstehen und vergehen

In der wechselvollen Geschichte des Flämings gab es Phasen, in denen Neubürger in die Region kamen und Orte gründeten, aber auch Notzeiten, in denen Orte zerstört oder aufgegeben wurden.
Die größte Einwanderungswelle erfolgte im 12. Jh. durch deutsche Kolonisten aus dem Westen. Die Ortsnamen lassen auf die Herkunft der Siedler schließen. Slawisch-deutsche Mischnamen belegen, dass auch ein beträchtlicher Teil der slawischen Bevölkerung am Landesausbau beteiligt war.
Seuchen, Wassermangel, kriegerische Auseinandersetzungen, aber auch wirtschaftliche Fehlschläge führten immer wieder dazu, dass Orte aufgegeben und wüst wurden. Bereits im 14. Jh. ist ein deutlicher Rückgang von dörflichen Siedlungen zu verzeichnen. Im Dreißigjährigen Krieg erreichte die Bevölkerungszahl einen Tiefpunkt. An einigen Stellen künden noch heute Mauerreste oder Brunnen von den verlassenen Dörfern.
Mit der beginnenden Neuzeit wurden vielfach Hüttendörfer als Produktionsstätten angelegt. Der Waldreichtum der Brandtsheide bot für die Herstellung von Teer, Holzkohle oder Glas genügend Rohstoff. Zeugen jener Zeit sind Dörfer wie Glashütte, Jeserigerhütten, Neuehütten, Medewitzerhütten, Welsigke und Spring.

Mühlen im Naturpark

Noch im vergangenen Jahrhundert prägten Windmühlen die Fläminglandschaft. Fast jedes Dorf hatte seine eigene - stets auf einem Hügel, dem „Mühlenberg“ gelegen, um die Kraft des Windes voll ausnutzen zu können
Im Fläming waren zwei Mühlentypen verbreitet: die massive, kegelförmige „Holländermühle“, wie sie noch heute bei Niemegk, Groß Marzehns und Haseloff zu besichtigen ist, und die „Bockwindmühle“, deren „Bock“ aus starken Eichenstreben auf Findlingen lagert. Restaurierte Bockwindmühlen kann man in Borne und Cammer sehen.
Die kleinen Bäche der wasserarmen Region wurden mittels Wassermühlen vielfach genutzt. Mehrere dieser großen Bauten sind erhalten - in Fredersdorf, Niemegk (Werdermühle), Buckau (Birkenreismühle), Bad Belzig (Springbachmühle), Lüsse und Neschholz (Wühlmühle).

Traditionelles Handwerk

Vor allem in den Städten lebten schon im Mittelalter Handwerker: Zimmerer, Schmiede, Leinweber, Brauer und viele mehr. Sie waren in Innungen organisiert und gaben sich Regeln, die z. T. für mehrere Flämingstädte galten.

Seit langem dienten die Lehmvorkommen des Flämings den Töpfern der Region als Rohstoff. So ist überliefert, dass die Niemegker Töpferordnung am „Tag nach Margarethe 1563“ (20. Juli) neu gefasst und „confirmirt“ wurde. Noch heute gibt es in Görzke Töpfereien, die seit Generationen im Familienbesitz sind.

Der Lehm wurde auch zu Ziegeln verarbeitet. In Niemegk und Reetz gab es bis 1990 eine industrielle Ziegelproduktion. Nach der Wende wurde in Reetz ein modernes Porotonwerk errichtet.

Die Dörfer der Brandtsheide waren nicht nur für die Produktion von Holzkohle und Teer bekannt, sondern sie konnten sich im 19. Jahrhundert auch rühmen, in Deutschland das reinste Wachs zu gewinnen. Die Wachshändler zogen herum, kauften alte Bienenwaben und pressten aus ihnen reines Wachs. Das Wachs wurde zu Kerzen und Mittelwänden für Imker verarbeitet. Zu DDR-Zeiten wurden in der Brandtsheide 95 % der gesamten Mittelwände des Landes hergestellt.

 
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